9 Mythen, die ich überwunden habe

Mythen sind langlebig. Sie können uns in unserer Arbeit unterstützen oder hindern. In diesem Beitrag erzähle ich von 9 Mythen und Glaubenssätzen, die ich in den letzten Jahren als Mimikresonanz-Trainerin und Unternehmensberaterin überwunden habe.

  1. „Man muss auch mal gönnen können“

Das hieß für mich früher: Meinen Neid zu unterdrücken und so zu tun, als würde ich mich freuen, tat ich aber nicht. Das war immer eine schwere Aufgabe für mich und hat mich von den Menschen getrennt, Neid macht einsam.

Inzwischen habe ich gelernt, wie wichtig Mudita, die Mitfreude, ist. Das bedeutet, dass ich mich an den Erfolgen von anderen Menschen mit erfreue. Oft nehme ich sie als einen Ansporn für mich, etwas auszuprobieren, oder mich motiviert der Mut eines Menschen und ich werde mir dadurch meines eigenen Mutes bewusst. Gleichzeitig spüre ich eine tiefe Verbindung zu diesen Menschen, was mich zufrieden und glücklich macht.

  1. „Was Hänschen nicht lernt, lernt Hans nimmermehr!“

Dieser Mythos hat mich als Jugendliche richtig in Panik versetzt: In der Schule fiel es mir sehr schwer Mathematik zu verstehen und ich hatte das Gefühl: Das verstehe ich niemals, ich bin einfach zu dumm. Mich interessierte aber schon immer das Unternehmertum – ich komme aus einer Unternehmerfamilie – und tatsächlich zog es mich zur Betriebswirtschaft. Und, oh Wunder, ich hatte einen unglaublich guten Mathematiklehrer. Der konnte nicht nur Mathematik für Dummis, der konnte auch Empathie!

Er stand genau vor mir, als er unsere erste Matheklausur im Studium angekündigte. Und: Er erkannte meine Stresssignale, beugte sich zu mir herunter und sagte: „Keine Angst, Sie dürfen mich auch in der Klausur ansprechen, wenn Sie eine Frage haben!“ Sofort entspannte sich alles in mir: Meine Sicherheit war wieder hergestellt und tatsächlich habe ich mit seiner Unterstützung die Klausur bestanden. Wenn ich ganz ehrlich bin, hatte ich sogar Spaß dabei!

Er öffnete mir nicht nur den Weg in die Mathematik, sondern machte mir Mut und schenkte mir sein Vertrauen, plötzlich war alles möglich. Seid dem weiß ich: Lernen kann Spass machen, wenn die Lernkurve nicht zu steil und der Lehrer geduldig und voller Zuversicht ist.

  1. „Ich kann nur dann eine gute Coach sein, wenn ich die richtige Methode richtig anwende“

„Wer hilft, hat Recht“

Ich habe sehr viele Weiterbildungen gemacht und das habe ich mir auch für mein weiteres Leben versprochen: Ich werde immer weiter lernen und mich weiterbilden!

Für mich macht das Sinn, denn nur so kann ich für meine Kunden immer die kompetente Ansprechpartnerin sein, die sie sich wünschen. Mir ist dabei besonders wichtig, dass ich immer auf dem aktuellen Stand der Wissenschaft bin, denn gerade in der Coachingbranche hat sich durch die aktuellen Erkenntnisse über unser Gehirn, die Neurowissenschaften, sehr viel verändert.

Mit meiner aktuellen Ausbildung zum emtrace©Master Coach habe ich gelernt: 30 – 70 % der „Transformative Allianz“ entsteht aus der Qualität der Zusammenarbeit zwischen Coach und Coachee. Unter der Transformativen Allianz versteht man quasi das „Arbeitsbündnis“, das gegenseitige „Ja, ich will“ im Coachingprozess. Und das entsteht nicht durch eine bestimmte Coachingschule, sondern durch Zugewandtheit, dem Respekt vor den Menschen, einem gewissen Maß an Neugier und auch aus der Fähigkeit auszuhalten, dass wir nicht jedem und allen helfen können. Besonders kommt  es darauf an, dass mein Coachee mich als hilfreich, unterstützend und kompetent einstuft, ganz egal, mit welcher Art von Coaching ich ihn unterstütze. Heute kombiniere ich all mein Wissen und wende es so an, wie es für mein Coachee am hilfreichsten ist. Das gibt mir die nötige Freiheit und Sicherheit, das Beste zu bieten.

  1. „Reg‘ dich nicht so auf, sonst bekommst du einen Herzinfarkt“

Heißt ja eigentlich: Mach‘ dir nicht so viel Stress, du schadest dir nur selbst! Stimmt natürlich grundsätzlich, trotzdem würde ich das heute so nicht mehr unterschreiben: Sich mal nicht zusammenzureißen, sich mal so richtig aufzuregen, kann durchaus etwas Reinigendes haben und dazu führen, dass meinem Gegenüber meine Grenze bewusst werden.

„Zu friedlich und zu höflich ist friedhöflich“ sagt Friedemann Schulz von Thun. Dem stimme ich voll und ganz zu: Wenn ich mich ärgere und nichts sage, sollte ich mich gleichzeitig immer fragen: habe ich gerade zu viel Angst vor dem Konflikt und schweige deshalb? Es ist wichtig, seine Meinung klarzumachen und Grenzen aufzuzeigen, auch und gerade deswegen, weil wir unserer Umwelt damit die Chance einräumen, uns besser kennenzulernen.

Ich werde deshalb inzwischen auch ruhig mal richtig sauer: Dann kann ich Dampf ablassen – das ist gut für mich – und bietet meinem Gegenüber und mir die Chance, sich über unsere Beziehung Gedanken zu machen.

  1. „Mach dich bloß nicht selbstständig, das heißt immer arbeiten und niemals (genug) Geld haben“

Ich komme aus einer Unternehmerfamilie. Mein Vater war der erste, der sich getraut hat, sich auf seine eigenen Beine zu stellen. Er war mäßig erfolgreich, das lag vor allem daran, dass er ein großer Visionär, aber ein verdammt schlechter Kaufmann war. Immer wieder sagte er zu mir: Mach‘ dich bloß nicht selbstständig, dann musst du immer arbeiten und niemand dankt es dir“.

Bis zu meinem 42. Lebensjahr hat es gedauert, bis ich schließlich doch mein eigenes Unternehmen gegründet habe. Dabei habe ich schon viele Jahre vorher gespürt, dass es mir sehr schwerfällt, in einem Unternehmen meinen Platz zu finden. Immer wieder bin ich angeeckt und nie war ich wirklich zufrieden. Lange Zeit dachte ich, das wäre ganz normal – immer wieder sind mir mehr Menschen begegnet, die ihren Job irgendwie gemacht haben, aber nur ganz wenige, die wirklich Lust auf ihren Job hatten.

Es war der Mut der Verzweiflung, der mich schließlich dazu gebracht hat, doch in die Selbständigkeit zu gehen und bis heute habe ich es zwar manchmal bereut, aber nie wirklich angezweifelt, dass ich diesen Schritt gegangen bin. Nicht immer macht es nur Spaß, aber immer macht meine Aufgabe Sinn für mich. Mache ich Fehler, kann ich daraus lernen, kann die Dinge sofort verändern, bin flexibel und resilient.

Immer arbeiten? Nein! Fleissig sein? Ja! Und wieviel Geld „genug“ ist, kann ich zum Glück selbst bestimmten.

  1. „Aus den Augen, aus dem Sinn“

In der Kleinstadt, in der ich aufgewachsen bin, gab es kein Gymnasium. Das hieß für mich: Schulwechsel = Fahrschülerin. Ich sprach mit meinen Eltern, auch über meine Angst, meine Freunde nicht mehr so viel sehen zu können und auch nicht mehr im Basketballverein mitspielen zu können. Mein Vater zuckte die Schultern und sagte: „Aus den Augen, aus dem Sinn“, das ergibt sich ganz von allein. Ich war traurig und nicht gerade motiviert, die Schule zu wechseln.

Natürlich hatte er teilweise recht, aber genau dieser Spruch hat mich mein Leben lang motiviert, mir immer wieder Gedanken darüberzumachen, welche Menschen quasi unersetzlich für mich ist. So bin ich mit meiner besten und engsten Freundin seit 46 Jahren befreundet, egal wo, wie, und mit wem wir lebten, wir haben immer einen Weg gefunden, uns zu treffen und uns zu unterstützen.

Auch im Business sind wir alle eines besseren belehrt worden: Als die Corona-Pandemie ausbrach, dachte ich, wie viele andere auch, das war’s für die Coaching- und Trainerbranche. Wir können ja nur in Präsenz! Wie wir alle gelernt haben, geht es auch sehr gut online, sehr gut sogar. Ja, es ist toll, sich in Präsenz zu sehen und zu arbeiten, aber online ist auf jeden Fall besser, als gar nicht – im Business und Privat!

  1. „Ich brauche Feldkompetenz, um richtig und gut beraten zu können.“

„Das habe ich noch nie gemacht, deshalb bin ich völlig sicher, dass es gut wird“ Pipi Langstrumpf

Als ich mit meiner Selbständigkeit anfing, dachte ich, ich könnte nur die Branche beraten, in der ich vorher auch tätig war: Gesundheitsbranche.

Entsprechend verunsichert war ich, als ich meine erste Anfrage aus einer ganz anderen Branche bekam. „Kann ich das?“ fragte ich mich? „Darf ich das?“ Zum Glück lockte mich das Abenteuer und mein Vertrauen in meine Kompetenz und meine Flexibilität. Das Zusammenarbeit gab mir Recht und ich entdeckte den großen Vorteil: Wie ein kleines Marsmännchen konnte ich sehr konstruktive und kritische Fragen stellen, gerade weil ich nichts von dem verstand, was die Menschen dort taten. Durch meine Fragen mussten sie sich sehr intensiv mit ihren Prozessen beschäftigen und kamen so auf viele hausgemachte Probleme und entdeckten sehr viel Prozessoptimierung, ohne dass ich ihnen vorschrieb, was zu tun war.

Daraus hat sich das Credo für meine heutige Arbeit gebildet: Die Organisation ist der Experte für ihre Lösung, ich bin die Expertin für einen sicheren Rahmen und eine konstruktive Kommunikation.

  1. „Das ist zu teuer“

Ein sehr beliebtes Argument von Kunden. Ich bin immer dafür, dass man Preise verhandeln kann. Allerdings sollten sie auch verhandelbar sein. In meiner Anfangszeit war es für mich ein großes und schwieriges Thema, über meine Preise zu sprechen oder gar zu verhandeln. Geholfen hat mir eine sehr klare betriebswirtschaftliche Analyse meiner Einkünfte, Kosten, meiner Steuerzahlungen und schließlich und meines Verdienstes.

Sagt mir heute ein potenzieller Kunde: Das ist zu teuer. Frage ich zurück: Was sind Ihnen ihre Mitarbeiter denn wert? Das hält mich davon ab, in die Rechtsfertigungsschleife zu geraten und bringt mein Gegenüber dazu, über den Wert der Investition nachzudenken. Beschliesst er, nicht investieren zu wollen, dann ist das seine Entscheidung und hat nichts mit der Qualtität meiner Arbeit zu tun. Seitdem ich diese Klarheit für mich gefunden habe, sind Vertragsverhandlungen leichter geworden.

Als besonderen Benefit für meine Kunden bin ich seit vielen Jahren für die ESF-Programm „BAFA“ und „Unternehmenswert Mensch“ zertifiziert und akkreditiert und kann so meine Arbeit durch attraktive Förderprogramme mit finanzieren lassen.

  1. „Rede nicht darüber, dann stiehlt dir jemand die Idee!“

Ich halte wenig von Konkurrenz und viel von kollegialem Miteinander. Wenn ich eine neue Geschäftsidee habe, dann rede ich sehr viel darüber: Mit Kollegen, mit potenziellen Kunden, Freunden und meinem schärfsten Kritiker: meinem Ehemann.

Ich habe die Erfahrung gemacht: Desto mehr ich darüber spreche, desto klarer wurde mir vieles. Nein, ich habe keine Angst davor, dass mir jemand etwas stiehlt, denn ich weiß, dass meine Kunden, mich mit meinem Produkt haben möchte. So ist auch mein „Chamäleon Training“ (ab August 2022 verfügbar) entstanden: ein 3stufiges online/offline Kommunikationstraining und Konfliktmanagementprogramm für alle Hierarchieebenen in Organisationen. Im Chamäleon Training sind nicht nur meine Erfahrungen aus 16 Jahren Tätigkeit als Trainerin und Coach geflossen, sondern auch viele Anregungen von Kollegen und Kunden. Ich bin davon überzeugt, dass genau darin die hohe Qualität und praktische Anwendbarkeit des Trainings liegt.

Das Chamäleon Training ist ab sofort buchbar und ebenfalls förderfähig.


Stefanie Pannier ist Business Coach und Systemische Beraterin

Ich bin Stefanie Pannier: Unternehmensberaterin, Mimikresonanz©Master und emtrace©Master Coach.

Ich begleite Menschen und Organisationen in Veränderungsprozessen


Grundsätzlich:

  • In meinen Blogs wird geduzt. Meine Arbeitsthemen sind sehr persönlich und immer vertraulich. Ich möchte mir keine Leserschaft vorstellen, die ich nicht duzen möchte. Dabei lege ich Wert auf Augenhöhe und Respekt.
  • Im Mittelpunkt stehen bei mir Lesbarkeit und Inhalt. Deshalb verzichte ich auf geschlechtsspezifische Paarformen. Die von mir verwendeten Einzelformen meinen immer alle Menschen.
  • Alle Fotos gehören Adobe Stock

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